Mathias Bahl (li.) übernahm den Staffelstab von Ex-Chef Eberhard Gleitsmann. Foto: Benjamin Andriske

Manager für Lebenswerke gesucht

Seit Sommer 2020 sensibilisiert die IHK Cottbus Unternehmen noch stärker für das Thema Nachfolge. Zugleich tritt sie auch an Hochschulen und Gründerzentren heran, denn die Lage in den Unternehmen bietet interessante Perspektiven für Hochschulabsolventen.

„Die Gründer aus den 1990er-Jahren in der Region stehen heute vor einer völlig neuen Herausforderung: Das Gelingen der Nachfolge entscheidet über den Bestand ihres Unternehmens, den Erhalt von Arbeitsplätzen und die eigene finanzielle Absicherung“, erzählt Anja Beck. Sie ist eine von drei Nachfolgeplanerinnen des EFRE-geförderten Projekts „Sensibilisierung Unternehmensnachfolge“ bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, die Unternehmensinhaber*innen Ü55 bereits frühzeitig auf das Thema ansprechen. In Südbrandenburg betrifft das über 15.800 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen, 41 Prozent aller IHK-Betriebe. „Die Zahlen machen deutlich, wie herausfordernd die Lage ist. Für qualifizierte Fachkräfte, interessierte Rückkehrer und Hochschulabsolventen tun sich daher attraktive Perspektiven auf, wenn sie für eine Betriebsübernahme offen sind“, erläutert Anja Beck. Denn auch in Industrie und Handel laufe es nicht immer auf eine familieninterne Nachfolge hinaus, das sei nur bei jedem zweiten Unternehmen der Fall.

Erweiterter Fokus auf Gründer
Daher stehen die IHK-Nachfolgeplanerinnen auch im engen Austausch mit den Gründungsberatern an Hochschulen und Gründerzentren. „Denn es lohnt sich, das Thema Nachfolge in den Fokus des Gründungsgeschehens zu rücken“, sagt Anja Beck. Diese Form habe auch aus ihrer Sicht entscheidende Vorteile: Das Unternehmen ist gefestigt und eingeführt, Prozesse sind etabliert, Einnahmen und Erträge definiert. „Raum für die Verwirklichung von eigenen Ideen gibt es auch in Bestandsunternehmen und die müssen gesichert werden, damit die Region weiterhin Zukunft hat“, betont Anja Beck. Diese Herausforderung erkannte auch Mathias Bahl, heutiger Geschäftsführer der Technische Bürsten GmbH in Spremberg, der im Jahr 2019 das traditionsreiche Unternehmen von Eberhard Gleitsmann übernahm. Bahl war nach der Schule in Cottbus ein Jahr in Australien und studierte anschließend Wirtschaftsingenieurwesen und Medizintechnik in Lübeck. Beruflich verschlug es ihn dann in einen Konzern bei Hannover, später nach Hamburg. Doch der Gedanke, in die Heimat zurückzukehren, trieb ihn weiter um und verfestigte sich durch Gespräche darüber, eine kleine Firma in der Region zu übernehmen und dort eigene Ideen zu verwirklichen. „Sich mit einer Unternehmensnachfolge in die Selbstständigkeit zu begeben, ist eine sehr gute Möglichkeit, die Welt von morgen mitzugestalten und seiner Eigenverantwortung gerecht zu werden“, sagt Mathias Bahl. Er hatte die Chance erkannt und mit Eberhard Gleitsmann einen Unternehmenschef kennengelernt, der sich sehr bewusst mit der eigenen Zukunft beschäftigt hatte und die Unternehmenszukunft gern in jüngeren Händen sah.

Termintipp für Interessierte: das Nachfolge-Webinar am 17. Juni um 17 Uhr.
Darin berichten Unternehmer von ihren Erfahrungen, wie eine erfolgreiche Unternehmensübergabe gelingen kann.
Die Nachfolgeplanerinnen Anja Beck, Sandra Liersch und Anja Kammerath sind Ansprechpartnerinnen bei der IHK Cottbus für Unternehmen und Nachfolgeinteressierte. Sie sind über die untenstehende E-Mail-Adresse erreichbar.

Weitere Informationen:
E-Mail: nachfolgeplaner@cottbus.ihk.de

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