Forschung: drei aktuelle Innovationen an BTU und HSZG

Einer von jährlich 120.000 Notrufeinsätzen in der Lausitz, der künftig von KI unterstützt werden soll.

Künstliche Intelligenz, die Leben rettet
Pro Jahr gehen allein in der Rettungsleitstelle Lausitz rund 120.000 Notrufe unter der Notrufnummer 112 ein. Sind diese verarbeitet und alle nötigen Infos erfasst, beginnen beeindruckende Automatismen: Einsatzrechner ermitteln die nötigen Einsatzkräfte und -geräte. Piepser, Alarmtöne und Sirenen ertönen und die Retter machen sich auf den Weg. Am Zielort sind schnelle Entscheidungen gefordert, nicht selten geht es um Leben und Tod. Künstliche Intelligenz soll die Automatismen nun noch weiter optimieren und das Rettungswesen fit für die Zukunft machen. Im Forschungsprojekt AI Rescue tüftelt ein interdisziplinäres Forscherteam mit BTU-Beteiligung daran, wie die Abläufe unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz erleichtert werden können. Beim Fachgebiet Ingenieurmathematik und Numerik liegt im Rahmen dieses Projekts die Aufgabe, die oben erklärte Rettungskette in einer Simulation abzubilden. Aus den Erkenntnissen sollen Empfehlungen entwickelt werden, wie KI künftig in Einsätzen zur Rettung von Leben beitragen kann.

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Statt per Maschendrahtrolle werden Zäune in diesem Projekt per App verlegt. Foto: Uni Göttingen, Juliane Horn

Weideflächen neu gedacht: Kuhwiesen mit virtuellen Zäunen
Milchkühe und Rinder sollen raus aus der Stallhaltung und zurück auf die Weide! Darüber sind sich die Mitglieder des Forschungsverbunds „GreenGrass“ einig. Sieben Universitäten (darunter die BTU) und vier Landwirtschaftsgesellschaften gehen in diesem Verbund der Frage nach, wie Weideflächen in Zukunft effizienter gestaltet und gemanagt werden können.
Die zentrale Idee: Weidezäune, die aus elektrisch aufgeladenen Drahtmaschen bestehen, sollen durch virtuelle Zäune ersetzt werden. Wie das funktioniert? Ganz einfach: Der Landwirt legt in einer App die Weidefläche fest. Die Kühe werden mit einem Halsband ausgestattet. Nähert sich eine Kuh der virtuellen Grenze, ertönt aus dem Halsband ein akustisches Signal. Dreht die Kuh nicht um, gibt das Band einen schwachen elektrischen Impuls ab, der etwa nur ein Zehntel so stark sein muss wie der altgediente Elektrozaun. Haben sich die Kühe einmal daran gewöhnt, kann der Landwirt ohne großen Zaunbau- und Materialaufwand zwischen mehreren Weideflächen hin und her wechseln.

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Der bekannte „Pust-Test“ soll so weiterentwickelt werden, dass sein Ergebnis auch vor Gericht Bestand hat.

Innovativer Atemalkoholtest macht Laborprobe überflüssig
Es gibt viele Orte, an denen das Alkoholtrinken tabu ist: z.B. im Straßenverkehr, während der Luftfahrt oder auch beim Betätigen schwerer Maschinen im Kraftwerk. Mit Atemalkoholkontrollen lässt sich schnell feststellen, ob der zulässige Grenzwert überschritten wird. Das Problem dabei, vor allem für die Polizei im Straßenverkehr: Der Atemalkoholwert ist vor Gericht nicht als Beweismittel zugelassen. Stattdessen muss zusätzlich Blut entnommen und als Probe an einen Arzt übermittelt werden. Ehe der beweissichere Blutalkoholwert feststeht, vergehen oft mehrere Stunden. Auch die Blutentnahme selbst ist häufig ein Streitpunkt, da in die körperliche Unversehrtheit des Getesteten eingegriffen wird. Prof. Matthias Schmidt von der Fakultät Sozialwissenschaften der HSZG und Prof. Dieter Müller von der Polizeihochschule Rothenburg haben sich in einem gemeinsamen Forschungsprojekt das Ziel gesetzt, einen Atemalkoholtest zu entwickeln, der das Blutabnehmen überflüssig macht. Dieser wird aktuell an 3.000 Probanden erprobt.

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